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Polen
Republik im östlichen Mitteleuropa,
312685 km2 mit 38,74 Mio. Einwohner.
Hauptstadt Warschau; Amtssprache: Polnisch.

Karte: www.eurobridge.org
Verfassung
- Von 1997. Staatsoberhaupt ist der direkt für 5 Jahre
gewählte Präsident. Die Exekutive liegt beim Ministerrat unter Leitung
des Ministerpräsidenten. Legislativorgan ist das Parlament, bestehend
aus Sejm (460 Abgeordnete, auf 4 Jahre gewählt) und Senat (100
Mitglieder). Verwaltungsgliederung: 16 Woiwodschaften.
Landeskunde:
- Im Norden vorwiegend eiszeitlich geprägte Oberfläche
(vom Baltischen Landrücken durchzogene Tiefebene mit Pommerscher und
Masurischer Seenplatte). Im Süden schließen sich Mittelgebirge an. Im
äußersten Süden Hochgebirge (Karpaten bis 2499 m hoch). Im Südwesten ein
Teil der Sudeten. Hauptflüsse: Weichsel mit Bug, Oder mit Warthe.
Bevölkerung:
- 99 % der Bewohner sind Polen, die stärksten
ethnischen Minderheiten stellen Deutsche, deren Zahl auf rund 400 000
geschätzt wird, sowie
Ukrainer (300 000) und
Weißrussen (200 000). 96%
gehören der römisch-katholischen Kirche an, die traditionell eine
bedeutende Rolle in der Gesellschaft spielt.
Wirtschaft und Verkehr:
- Seit 1947 entwickelte sich Polen zu einem
Industriestaat, in dem die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig
war. Das Agrarland blieb meist in Privatbesitz. Die Schlüsselindustrie
wurden verstaatlicht oder standen unter Staatskontrolle. Die Entwicklung
zur Marktwirtschaft ab 1990 verläuft nach anfänglich großen Problemen
heute erfolgreich. Große Bedeutung hat der Bergbau: auf Stein-,
Braunkohle und Schwefel, ferner auf Zink-, Blei-, Eisenerz u. a.;
Erdgaslager. Schwerindustrie, Maschinen- und Schiffbau,
Erdölverarbeitung, elektrotechnische, chemische, Papier-, Textil- u. a.
Industrie. In der Landwirtschaft (Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben,
Futterpflanzen; Rinder, Schweine, Geflügel) überwiegt kleinbäuerliche
Struktur; Forstwirtschaft, Fischerei. Eine bedeutende Rolle spielt der
Fremdenverkehr. Hauptreiseziele sind u. a. die Hohe Tatra, Beskiden und
Sudeten (besonders Riesengebirge), die Ostseeküste und die Masurischen
Seen sowie Warschau, Krakau, Tschenstochau (Wallfahrtszentrum), Breslau
und Danzig.
- Wichtigstes Transportmittel ist noch immer die
Eisenbahn. Der Anteil der Kraftfahrzeuge an der Gesamtverkehrsleistung
nimmt aber rasch zu. Die größten Seehäfen sind Stettin, Gdynia und
Danzig. Die wichtigsten Flughäfen befinden sich in Warschau, Lódz und
Breslau.
Geschichte:
- Um 600 Besiedlung durch Slawen nach dem Abzug der
Germanen.
- 966/967 Der Piastenherzog Mieszko I. (um 960-92)
nimmt das lateinische Christentum an und wird mit Großpolen Lehnsmann
des Kaisers; Bildung des Erzbistums Gnesen mit Einverständnis Kaiser
Ottos III. im Jahre 1000.
- 992-1025 Herrschaft von Bolesjaw I. Chrobry, der
seinem Reich Kleinpolen, Pommern, Schlesien, Mähren, die Lausitz und die
West-Slowakei angliedert.
- Ab 1138 Zeit der Teilfürstentümer.
- 1163 Schlesien fällt an Böhmen.
- 1181 kommt Pommern an das Heilige Römische Reich.
- 1230 Westpreußen wird vom Dt. Orden erobert, der 1308
auch Pommerellen mit Danzig besetzt.
- 1241 Mongoleneinfall, Niederlage bei Liegnitz.
- 1320 Endgültige Erhebung von Polen zum Königreich.
- 1333-1370 Herrschaft Kasimirs III., d. Gr.; Eroberung
von Rotreußen (Teile von Galizien, Podolien, Wolhynien).
- 1386 Jagiello, der Großfürst von Litauen aus dem Haus
der Jagiellonen, heiratet Hedwig (Jadwiga), die Tochter Ludwigs I., und
wird als Wladislaw II. auch König von Polen (Beginn der Personalunion
zwischen Litauen mit Weißrussland sowie der Ukraine und Polen).
- 1410 Schlacht bei Tannenberg (Grunwald), polnischer
Sieg über den Deutschen Orden (1. Thorner Frieden 1411).
- 1466 2. Thorner Frieden nach dem 13-jährigen Krieg
gegen den Deutschen Orden: Polen gewinnt die Herrschaft über Westpreußen
mit dem Ermland. Der Deutsche Orden muss für Ostpreußen die polnische
Lehnshoheit anerkennen.
- 1525 Ostpreußen wird vom Hochmeister Albrecht von
Brandenburg in ein weltliches Herzogtum umgewandelt und als
Lehnsfürstentum der polnische Krone unterstellt.
- 1561 Polen erringt Livland und die Lehnshoheit über
Kurland.
- 1569 Realunion zw. Polen und Litauen.
- 1572 Aussterben der Jagiellonen, Begründung des polnischen
Wahlkönigtums. Das im 17. Jh. voll ausgeprägte Liberum Veto
(Einspruchsrecht des Adels) führte zur häufigen Beschlussunfähigkeit des
Reichstags und schwächte Polen nachhaltig.
- 1654 Die Ukraine östlich des Dnjepr schließt sich
Russland an (1667 Waffenstillstand von Andrussowo).
- 1655-1660 1. Nord. Krieg gegen Schweden.
- 1657 Vertrag von Wehlau, Brandenburg erringt im
Herzogtum Preußen die volle Souveränität
- 1660 Friede von Oliva, endgültiger poln. Verzicht auf
Livland.
- 1674-1696 Herrschaft von Johann III. Sobieski;
erfolgreicher Kampf gegen die Türken.
- 1697 August der Starke wird König von Polen.
- 1700-1721 Der 2. Nord. Krieg schwächt Polen
entscheidend.
- 1772 1. Polnische Teilung.
- 1791 Verabschiedung der ersten geschriebenen
Verfassung Europas.
- 1793 2. Polnische Teilung.
- 1795 3. Polnische Teilung, Polen ist völlig zw.
Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt.
- 1807 Bildung des Herzogtums Warschau durch Napoleon
I. aus preußischen und (seit 1809) österreichischen Teilen, Herzog wird
König Friedrich August I. von Sachsen.
- 1815 Der Wiener Kongress unterstellt Polen in
Personalunion Russland (Kongresspolen), Krakau wird Freie Stadt (bis
1846).
- 19. Jh. Polnische Aufstände 1830/31, 1846 (Galizien),
1848 (Posen) und 1863/64 werden niedergeschlagen.
- 1916 Die Mittelmächte proklamieren ein Königreich
Polen.
- 1918 Pilsudski errichtet die Republik Polen.
- 1919 Polen werden im Versailler Vertrag die Provinzen
Posen und Westpreußen (Polnischer Korridor zur Ostsee) zugesprochen.
Ferner erhält Polen den kohle- und industriereichen kleinen Ostteil von
Oberschlesien.
- 1920 Danzig wird Freie Stadt (Freistaat Danzig; bis
1939); Polen besetzt das Wilnagebiet, Polnisch-Sowjetischer Krieg, im Frieden
von Riga.
- 1921 erhält Polen eine Grenze 150 km östlich der als
Grenze ursprünglich vorgesehenen Curzon-Linie.
- 1934 Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt.
- 1939 Beistandspakt mit Großbritannien. Der deutsche
Angriff auf Polen am 1. 9. löst den Zweiten Weltkrieg aus, auch die
Sowjetunion marschiert am 17. 9. in Ostpolen ein (1940 Erschießung
polnischer Offiziere in Katyn), Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen
Reich und der Sowjetunion.
- 1941 Ganz Polen wird von den Deutschen erobert
(nationalsozialistische Besatzungspolitik; Ermordung der
jüdischen Bevölkerung,
Errichtung von Vernichtungslagern,
- 1943 Aufstand im Warschauer Getto,
- 1944 Warschauer Aufstand unter Führung der mit der
Exilregierung in Verbindung stehenden Armia Krajowa.
- 1945 Polen wird von den Russen besetzt,
Wiedererstehen des polnischen Staates unter kommunistischer Oberhoheit,
Ostpolen bleibt sowjetisch, dafür erhält Polen die Verwaltungsbefugnis
über die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie
(Westverschiebung), die deutsche Bevölkerung wird vertrieben.
- 1947 Der Kommunist B. Bierut wird Staatspräsident,
In-Kraft-Treten der Kleinen Verfassung (Umwandlung Polens in eine
Volksdemokratie; enge Anlehnung an das sowjetische Vorbild).
- 1948 Zwangsvereinigung der Sozialistischen Partei mit
der polnischen KP zur Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei.
- 1949 Polen ist Gründungsmitglied des RGW.
- 1950 Die DDR erkennt die Oder-Neiße-Linie als Grenze
an.
- 1952 Mit der volksdemokratischen Verfassung nimmt das
Land offiziell die Bezeichnung Volksrepublik Polen an.
- 1955 Polen ist Gründungsmitglied des Warschauer Pakts.
- 1956 Posener Aufstand, danach zeitweilige
Liberalisierung unter W. Gomulka (1970 als Parteichef abgelöst).
- 1970 Warschauer Vertrag mit der BRD zur Verbesserung
der gegenseitigen Beziehungen.
- 1980 Beginn einer Streikwelle in Danzig, Bildung der
von L. Walesa geführten freien Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität).
- 1981 Anhaltende wirtschaftliche und soziale
Spannungen führen zu Umbesetzungen in Partei- und Staatsführung;
Ausrufung des Kriegsrechts (Dez. 1981 bis Juli 1983) zur Sicherung der
kommunistischen Herrschaft und zur Vermeidung eines sowjetischen
Einmarschs.
- 1989 Nach Wahlen stellt die Solidarnosc den
Ministerpräsidenten (T. Mazowiecki), Beginn bürgerlicher Reformen;
Wiedereinführung der Staatsbezeichnung Republik Polen
- 1990 L. Walesa wird zum Staatspräsidenten gewählt.
- 1990 Abschluss eines Grenzabkommens am 14. 11., in
dem die BRD die bestehende Grenze als völkerrechtlich verbindlich
anerkennt.
- 1995 A. Kwasniewski wird Staatspräsident (2000
Wiederwahl).
- 1997 J. Buzek wird Ministerpräsident.
- 1998 Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der EU.
- 1999 Polen wird NATO-Mitglied
- 2001 Wahlsieg der Linksallianz SLD, L. Miller wird
Ministerpräsident.
- 09.09.2003: Polen machen Weg für
EU-Beitritt frei.
- 01.05.2004: Polen wird in die
EU aufgenommen.
- 02.05.2004: Ministerpräsident L. Miller tritt zurück.
- 03.05.2004: Der parteilose Marek Belka wird neuer
Ministerpräsident.
- 10/2005 - Kazimierz Marcinkiewicz wird neuer
Ministerpräsident und Lech Kaczynski zum neuen Staatspräsidenten
gewählt.
Quellen: Auswärtiges Amt / Wikipedia / Brockhaus / wissen.de
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